Wenn Grenzen gesetzt werden...

Es findet ein Coolnesstraining mit einer Gruppen von heranwachsenden Jungen statt. Alle Teilnehmer sind gewalterfahren und alle haben überdurchschnittlich viele Täteranteile.

 

Die Teilnehmer kennen sich, sehen sich in regelmäßigen Abständen zum Coolnesstraining.

Die Motivation der meisten Jungen ist an diesem Tag so hoch wie der IQ eines Knäckebrotes.

 

Die Jungen zeigen ihren Widerstand und benennen, dass sie keine Lust auf das Training haben, was vollkommen okay ist. Daneben kommen von besonders einem Teilnehmer immer wieder Provokationen in Richtung der Trainer. Er testet aus, hinterfragt alles, sucht jede Lücke die er finden kann. Er war länger nicht mehr da und muss noch mal seinen Platz in der Gruppe finden. Sein Verhalten erzeugt wiederum eine Gruppendynamik. 

 

"Das kann anstrengend werden", denke ich.

 

Der junge Mann benötigt immer wieder eine Begrenzung. Er weiß, wie die Begrenzungen aussehen und was ihn erwartet.

Da er diese Begrenzungen so massiv einfordert, kriegt er diese auch von den Trainern. Das ist zeitintensiv, aber wichtig.

Denn es passiert nach einiger Zeit folgendes: Er verändert sein Verhalten um 180 Grad. Er gibt seine Haltung von Widerstand und Provokation auf. Er arbeitet mit, nimmt sich zurück, gibt anderen störenden Teilnehmern ein feed back und zeigt, dass er ernsthaft an einem gut laufenden Trainingstag interessiert ist. 

Für sein erwünschtes Verhalten kriegt er von und Trainern immer wieder Lob und Wertschätzung.

 

In der Abschlussrunde des Coolnesstraining sagt er folgendes:

"Der Tag war ganz gut. Ich wollte am Anfang wissen, ob ihr mich begrenzt oder nicht. Hättet ihr das nicht gemacht, hätte ich weiter gestört. Aber so hatte ich das nicht mehr nötig".

 

Der junge Mann ist Pädagogenerfahren und weiß, wie er Pädagogen an die eigenen Grenzen bringen kann.

Er ist sehr einfallsreich im Austesten und vor allem ausdauernd. 

Es ist sehr wichtig, Zeit in solche Teilnehmer zu investieren, dass Verhalten zu spiegeln und zu begrenzen. 

Passiert dies nicht, wird sich das störende Verhalten potenzieren.

 

Es wird in Zukunft bestimmt auch immer noch mal ähnliche Situationen mit ihm geben.

Aber wenn die Beziehungsebene und die Statusebene geklärt sind, ist auch das Arbeiten mit "schwierigen Teilnehmern" eine Freude.

 

 

 

 

 

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