Von Übertragungen und Gegenübertragungen

Ein Beispiel für eine Übertragung: Sie sitzen in einem Gespräch mit einem depressiven Menschen. Es ging Ihnen bis dato gut. Während des Gesprächs spüren Sie plötzlich eine bleierne Müdigkeit und haben das Gefühl, dass Ihnen jeden Moment die Augen zufallen. Gefühle des anderen werden also unbewusst auf uns übertragen und umgekehrt. In diesem Fall ist es das Gefühl von Müdigkeit.

 

Die Gegenübertragung: Die Gegenübertragung ist das, wie Sie darauf reagieren. Im Idealfall können Sie trennen, was zu Ihnen gehört und was zu ihrem Gegenüber. In diesem Fall ist es das Gefühl von Müdigkeit. Ist es Ihre Müdigkeit oder gehört die Müdigkeit zu Ihrem Gegenüber? In diesem Beispiel ist es die Müdigkeit des depressiven Menschen, der diese auf sie überträgt. Das findet ganz unbewusst statt und ist den meisten Menschen nicht bewusst. Traumata werden nonverbal übertragen. Die Gefahr der sekundären Traumatisierung ist für Helfer also groß. 

 

Das sind die wesentlichen Fragen wenn man mit Übertragungen und Gegenübertragungen arbeitet: Was gehört zu mir und was zu meinem Gegenüber? Was nehme ich wahr und wie ordne ich es zu? Oder werde ich von meinem Gegenüber durch seine Übertragungen in eine Rolle gedrängt, in die ich eigentlich gar nicht möchte.

 

Auch Aggressionen können übertragen werden. Sie waren entspannt, gehen z.B. in ein Gespräch oder in eine Klasse und merken plötzlich ein Gefühl von Wut und Aggression. Wie gehen Sie damit um? Ist es Ihre Aggression oder die des Gegenübers? Wenn Sie dies trennen können, werden Sie anders mit der Situation umgehen. Wenn Sie dies nicht trennen können, werden Ihre Reaktionen wahrscheinlich unbewusst ein Schema von Wut und Aggression nach Außen tragen.

 

Bewusst mit Übertragungen und Gegenübertragungen zu arbeiten kann Klarheit verschaffen und ist ein Prozess der Psychohygiene. 

 

Mit Übertragungen und Gegenübertragungen zu arbeiten sind komplexe psychodynamische Prozesse, dessen man sich Schritt für Schritt bewusst werden kann. Wie? Durch Achtsamkeit, Selbstbeobachtung und Reflektieren.

 

Und natürlich erfüllen diese Prozesse auch wieder Funktionen.

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