Mit Provokationen ohne Gesichtsverlust umgehen

In fast jedem Coolnesstraining oder Anti-Gewalt-Training was ich anbiete, ist der Umgang mit Provokationen ein Thema. 

 

Bei vielen Jugendlichen wird sofort ein Knopf gedrückt, wenn ein anderer Jugendlicher versucht sie zu provozieren. Die meisten lassen sich provozieren und steigen augenblicklich in die Eskalationsspirale ein. Sie denken zu sehr, dass sie sich beweisen müssen, dass sie mit Bedrohung und Körperverletzungen Grenzen setzen müssen oder dass sie ihrem Umfeld zeigen müssen, dass keiner sie provozieren darf. 

 

Oft erwarten auch die "Freunde", dass reagiert wird. Desto starrer das Rollenverständnis ist, desto schwerer fällt es den Jugendlichen Alternativen zu entwickeln und aus der starren Rolle auszusteigen.

 

Deswegen ist es gut, wenn sie üben können und Vorstellungen entwickeln können, wie sie ohne Gesichtsverlust aus einer Provokation aussteigen können oder bewusst die Entscheidung treffen können, sich gar nicht erst auf die Provokation oder den Aggressor einzulassen.

 

Dazu eignen sich in vielen Coolnesstrainings oder Anti-Gewalt-Trainings Provokationsübungen. In einem geschützten Raum werden Provokationen nachgestellt damit die Jugendlichen noch mal bewusst erfahren können, was bei ihnen selbst passiert (erhöhter Herzschlag, Ardrenalin, angespannte Muskeln etc.) und dass sie von Außen eine Rückmeldung erhalten, was sich an ihrer Körpersprache in dem Moment der Provokation oder "Anmache" verändert. Denn damit geben sie dem Gegenüber automatisch nonverbalen Signale und signalisieren den Stresspegel. 

 

Eine Provokation bewusst aushalten, keine Angriffsfläche zu bieten und die Erfahrung zu machen, dass man auch souverän mit so einer Situation umgehen kann, ist für viele eine neue Erfahrung. Man kann  auch selbstbewusst und straight mit Provokationen umgehen, ohne schwach zu sein. 

 

Im Coolnesstraining ist es eine Laborsituation. Wenn die Jugendlichen jedoch im Coolnesstraining begreifen, dass sie es dort schaffen, dann können sie es auch draußen schaffen.

 

Dies ist eine wichtige Übung zur Gewaltprävention und soll den Jugendlichen helfen, gewaltfreie Strategien für sich zu entwickeln, mit dem Fokus auf die eigene Zukunft und auf die Erfüllung der eigenen Ziele.

 

Schon viele Jugendliche mit denen ich trainiert habe dachten, dass sie so eine Situation im Training nicht aushalten können und zuschlagen  werden. Dies ist bisher noch kein einziges Mal passiert.

 

Auch hier ist es wieder ein Appell an die Selbstverantwortung des Jugendlichen: Wie entscheide ich mich mit Provokationen umzugehen? Übe ich Gewalt aus oder geht es auch entspannt? Halte ich es aus oder fühle ich mich wie ein "Lutscher" oder "Weichei", wenn ich nicht mit einer Gegenprovokation oder einer körperlichen Attacke reagiere? Muss ich direkt Opfer werden, oder kann mir eine Provokation auch helfen Selbstbewusstsein zu entwickeln?

 

Jugendliche brauchen oft Unterstützung, um hier Alternativen für sich zu entwickeln, die sie auch in der Realität anwenden können.

 

Und mal ehrlich: was die eigenen Eltern dazu sagen, wird doch von vielen Jugendlichen nicht angenommen. Im Unterricht ist zu wenig Zeit dazu. Deswegen sind externe Experten genau für solche Lernaufgaben eine wichtige Unterstützung. 

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