Lehrerin hat Angst vor Jungen aus der ersten Klasse

Wie kann es sein, dass eine Lehrerin Angst vor einem Jungen aus der ersten Klasse hat?

 

Der Junge tritt und schlägt jeden Tag andere Kinder und auch das Lehrpersonal. Alle sind hilflos, keiner weiß wie er mit dem Jungen umgehen soll. Die Klasse hat Angst vor dem Jungen und die anderen Kinder kommen mit täglicher Angst in die Schule.

 

Der Junge spürt die Hilflosigkeit und hat Freude daran, dass die anderen Angst vor ihm haben.

 

Der Junge spürt vor allem, dass ihm keine Grenzen gesetzt werden. Die Lehrerin fühlt sich dem Schüler hilflos ausgeliefert und weiß nicht, wie sie mit der Situation umgehen soll.

 

Die Hilflosigkeit der anderen spornt den Jungen an. Er tritt die Lehrkraft z.B. gegen das Knie und fragt: "Hast Du jetzt Angst vor mir?"

 

Was kann helfen?

 

Aus meiner Sicht kann eine Null Toleranz gegenüber Gewalt helfen. Dem Jungen müssen unbedingt Grenzen gesetzt werden.

 

Das kann konkret bedeuten:

 

- jedes Mal wenn er andere Menschen angreift, muss er abgeholt werden. Konsequent.

- das Kind wird bei Gewaltvorfällen von der Schule suspendiert (bis maximal 14 Tage) und kann erst wieder am Unterricht teilnehmen, wenn ein Rückkehrgespräch mit dem Kind, den Eltern, der Schulleitung und den Lehrern stattgefunden hat. In dem Rückkehrgespräch werden Handlungsalternativen erarbeitet.

- jedes Mal wenn er andere Menschen angreift wird eine Anzeige gestellt. Das ist unabhängig vom Alter. Denn jede Anzeige wird automatisch zum Jugendamt weitergeleitet und die Jugendämter haben die Verpflichtung sich bei der Familie zu melden. Im Idealfall wird dem Kind Hilfe angeboten und auch die Eltern erfahren unterstützende Hilfsangebote. Wenn ein Kind sehr extrem Gewalt ausübt kann dies auch bedeuten, dass ein Verfahren wegen Kindeswohlgefährdung eingeleitet werden muss. Dann könnte es sein, dass das Kind per Beschluss vom Familiengericht fremduntergebracht werden muss. Sauber und klar ist es, wenn die Anzeigen von der Schulleitung gestellt werden.

- mit dem Jungen sollte vorher besprochen werden, dass er im Rahmen von Notwehr und Nothilfe festgehalten werden darf, wenn er andere Menschen angreift. Das ok kann man sich ebenfalls noch mal schriftlich von den Eltern geben lassen, wenn das Kind oft wenn nicht sogar täglich Gewalt ausübt.

- es wird konsequent zwischen der Person des Kindes und dem Verhalten des Kindes differenziert, damit das Kind nicht gelabelt wird und sich dann extra gewalttätig verhält. Das Kind ist gut so wie es ist. Das gewalttätige Verhalten ist nicht in Ordnung. Und daran wird gearbeitet.

- Erziehung- und Ordnungsmaßnahmen werden konsequent umgesetzt.

- das Kind erfährt auch, dass ihm Brücken gebaut werden durch pädagogische Gespräche und durch Verstärkerpläne. Was kann das Kind gut? Wo liegen seine Stärken? Kann ihm eine neue Rolle zugewiesen werden? Kann es Aufmerksamkeit oder positive Aufmerksamkeit auch auf anderen Wegen erreichen. Dazu finden kurze tägliche Reflektionsgespräche mit den Lehrern und mit dem Kind statt.

 

Kinder die oft gewalttätig werden binden Kapazitäten und es braucht Kraft und Aufwand, um dieses Verhalten zu managen.

 

Es gibt jedoch keine Alternative dazu. Gewalttätiges Verhalten potenziert sich, wenn es nicht begrenzt wird.

 

 

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